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Wirtschaft
24.05.2020
24.05.2020 10:17 Uhr

Generationenprojekt «Erlenhof-Ausbau»

Katharina Lehmann, Eigentümerin und CEO Lehmann Gruppe, Gossau.
Nun steht der Umsetzung des Generationenprojekts im Erlenhof nichts mehr im Wege. Das Betriebsareal der Lehmann Gruppe in Gossau kann ausgebaut werden.

Vor einem Jahr waren die Planungsgrundlagen öffentlich aufgelegt und danach dem Kanton zur Genehmigung übergeben worden; ein Teilzonenplan, zwei Sondernutzungspläne, die Projekte für die Verlegung und teilweise Öffnung des Loobaches sowie für den Ausbau der Mühlebach- und der Erlenstrasse. Im März 2020 genehmigte das kantonale Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) die Gesamtplanung. Zwischenzeitlich ist die Rekursfrist für diese Pläne ungenutzt abgelaufen. Die konkrete Umsetzung kann beginnen.

Mehr Platz für einen wachsenden Betrieb

Verschiedene Gründe machen die Arealentwicklung und die Verlegung des Bachverlaufes nach Norden für die Lehmann Gruppe nötig. Einerseits wird damit der Hochwasserschutz für die Betriebsstätten sowie die ökologische Bedeutung des Gewässers und der damit in Verbindung stehenden Biodiversität verbessert, andererseits brauchen die vielfältigen Tätigkeiten des wachsenden Betriebes mehr Platz. Denn der Erlenhof ist nicht nur Anziehungspunkt für Architekten und Holz-Interessierte aus aller Welt. Er ist auch Arbeitsort für die über 300 Mitarbeitenden der Firmen, die zur Lehmann Gruppe gehören. Das sind die holzverarbeitende Lehmann Holzwerk AG, die Holzbauunternehmung Blumer-Lehmann AG und das Silobauunternehmen BL Silobau AG. Die Führung des Unternehmens – es befindet sich seit fünf Generationen in Familienhand – ist weiterhin überzeugt vom Produktionsstandort in Gossau, auch wenn vor allem die Holzindustrie dem starken Wettbewerbsdruck aus dem nahen Ausland ausgesetzt ist. Doch damit sich die Lehmann Gruppe hier erfolgreich weiterentwickeln kann, sind Innovationen und Investitionen in Technik und Produktionsstätten nötig. Nicht erst seit der Coronakrise setzt der holzverarbeitende Betrieb Lehmann Holzwerk für die Verarbeitung zu 90 % auf Schweizer Holz aus der Region. Gerade jetzt spüre man sogar eine erhöhte Nachfrage nach einheimischen Produkten, wie Katharina Lehmann, Eigentümerin und CEO der Unternehmung meint. Sie freut sich, dass ihr Betrieb einen wesentlichen Teil zur Erhaltung der regionalen Wertschöpfung und lokalen Wirkungsketten beiträgt.

Urban Jung, Geschäftsführer der Lehmann Holzwerk AG.

Erhöhung der Kapazitäten in der Pellets- und Stromproduktion

Bereits im Jahr 2019 wurden grosse Investitionen in neue Anlagen und Gebäude ausgelöst, die zur Optimierung des Produktionskreislaufs beitragen. Rund zwölf Bauprojekte koordinierten die Verantwortlichen während des letzten Jahres. Und dabei hatte der alltägliche Produktionsbetrieb bei voller Auslastung störungsfrei weiter zu laufen. Im Zentrum der Arbeiten standen der Ausbau der Pelletproduktion. Nun können rund 30' bis 35`000 t Pellets pro Jahr produziert und ausgeliefert werden. Ein Grund für die Erhöhung der Kapazitäten in der Pelletproduktion ist die grössere Menge an Rundholz, die im betriebseigenen Sägewerk verarbeitet wird. Rund 140'000 m3 wurden im Jahr 2019 eingeschnitten. «Unsere Anlagen sind nun von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends in Betrieb», erklärt Urban Jung, Geschäftsführer der Lehmann Holzwerk AG. «Weil wir nun mehr Holz einschneiden, fallen mehr Sägespäne und mehr Restmaterial an. Und um mehr von diesem Restmaterial aufnehmen zu können, haben wir die Produktions- und Lagerkapazitäten in der Pelletierung verdoppelt. Höhere Pelletproduktion heisst aber auch höherer Energiebedarf. Im Zuge davon wurde die Heizungsanlage im Kraftwerk ersetzt und erweitert. Damit erreichen wir nun 10 anstatt wie bisher 8,5 Megawatt in der Prozesswärmeproduktion und haben so die benötigte Energie zur Verfügung», führt Jung aus.

Rund 30' bis 35`000 t Pellets werde pro Jahr produziert und ausgeliefert.

Vereinfachte Produktions- und Logistikabläufe

Darüber hinaus wurde in eine hochkomplexe und vollautomatisierte Keilzink- und Sortieranlage investiert. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um der Nachfrage der Kundschaft nachzukommen und neue Produkte wie keilverzinkte Latten, Verkleidungen und Fassaden anzubieten. Mehr Automation im Betrieb ermöglicht kostengünstigere Produktion. Es bedeutet aber auch, dass vermehrt Maschinen die Aufgaben von Menschen übernehmen. «Mit der Erweiterung unseres Betriebes ist dennoch kein Stellenabbau geplant. Im Gegenteil, wir freuen uns, dass wir auf dem Erlenhof sogar noch weitere Arbeitskolleginnen und -kollegen in teilweise neu geschaffenen Stellen begrüssen durften», sagt Katharina Lehmann. Aktuell ist die Auftragslage nach wie vor gut. Wie sich die Situation in Folge der Auswirkungen der Coronakrise entwickeln wird, ist noch nicht abzuschätzen. So oder so bleibt zu hoffen, dass die Kunden, Partner, Architekten sowie Holzbau-Interessierte aus aller Welt schon bald wieder den Weg in den Erlenhof finden werden und die Kunden die einheimischen Produkte und Leistungen zu schätzen wissen.

Blick auf Sortieranlage und Keilzinkanlage.
Lehmann Gruppe Gossau / SA