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Kultur
09.11.2020
11.11.2020 08:42 Uhr

Musikalische Sonnenstrahlen im Corona-Dunkel

Nach einem schwierigen Corona-Jahr durfte das Flawiler Kammerorchester ein Konzert gestalten – mit Masken und nur 50 Gästen. Verwöhnt wurden Musikfreundinnen und -freunde mit der Komposition «Die vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi. Schön, wieder einmal so etwas geniessen zu dürfen, ein Aufsteller für Musizierende und Gäste. Man kann nur hoffen, dass sich im kommenden Jahr einiges verbessert.

Die Cellistin Erika Häusermann hiess die Gäste herzlich willkommen und freute sich auf das Konzert.  «Dieses war eigentlich für den Juni geplant, was die Epidemie verhindert hat», erklärte sie und dankte den Verantwortlichen des Abendmusikzyklus, welche die Aufführung ermöglichten. Von Mitte März bis Anfang Juni durfte nicht geprobt werden. Zudem hat die Dirigentin Eveleen Olsen im Frühling ihr Baby bekommen und ist bis Ende Jahr im Mutterschaftsurlaub.  Die Konzerte in diesem Jahr finden demnach ohne Dirigentin statt, dafür unter der Leitung des bewährten Konzertmeisters Markus Berthold, mit dem auch intensiv geprobt worden ist.  Die drei angekündigten Intermezzi von Barbara Hidber, Stimmführerin der Violinen, werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Anspruchsvolle Musik

Es ist für das Orchester eine besondere Herausforderung, ohne Dirigentin zu spielen, das Zusammenspiel ist schwieriger und auch das aufeinander Hören – davon spürten die Gäste aber nichts. Umso schöner, dass das Ensemble die Musikbegeisterten mit diesem Konzert verwöhnt hat. Es war eine Ohren- und Augenweide, den rasant über die Saiten fliegenden Bögen von Orchester und Solistin zuzusehen und die dadurch entstehenden Töne zu geniessen – nach so langer Entbehrung doppelt.  Besonders anspruchsvoll war es für die Solovioline, hintereinander vier anspruchsvolle Violinkonzerte zu spielen, aber Yuko Ishikawa bot das meisterhaft, sehr sensibel, voller Inbrunst und Virtuosität. Man sah und spürte die Spielfreude der Musizierenden.

«Die vier Jahreszeiten»

Die vier Jahreszeiten (italienisch: Le quattro stagioni) heißt das wohl bekannteste Werk Antonio Vivaldis, komponiert 17:25. Es ist eher selten, dass der ganze Zyklus aufgeführt wird, sind es doch eigentlich vier Konzerte über Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Jede und jeder im Orchester ist total gefordert. Da erlebten die Zuhörenden sanfte, Winde, heftige Stürme und Gewitter, Jagdszenen mit Gewehrschüssen, einen Bauerntanz, das Zittern in der Kälte, klappernde Zähne, berstendes Eis und so weiter – spannend und faszinierend. Zu jeder Jahreszeit gehört ein Gedicht, eine sogenannte Sonette, vermutlich von Vivaldi selbst geschrieben, in Oberglatt gelesen von Beat Wunderlin.

Strahlend und mit riesigem Applaus dankten die Zuhörenden für den musikalischen Genuss am Sonntagabend, für die Sonnenstrahlen in einer mühsamen Zeit und nehmen die Klänge mit in den Alltag.

Masken auch bei den Gästen. Bild: Vroni Krucker
Konzertmeister Markus Berthold. Bild: Vroni Krucker
Yuko Ishikawa verteilte Blumen aus ihrem Gebinde an die Mitwirkenden, auf dem Bild Beat Wunderlin. Bild: Vroni Krucker
Vroni Krucker