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Kultur
11.12.2020
11.12.2020 08:59 Uhr

Wie soll man 500 Chläuse verhaften?

Silvesterchläuse
Das Silvester-Chlausen und andere Bräuche sollen diesen Winter nicht stattfinden. Die Opposition wächst.

Der Volksmusiker und und Brauchtumsexperte Wälti Frick schreibt auf Facebook: «I lo mi nüd aasächä....!!

Mehrere Menschen, die das Brauchtum lieben und sehr schätzen, setzen sich zu wehr, rufen gar: «Aifach am 4i ufsto, d'War alegge und go».

Wie soll man denn 500 Chläuse verhaften? Fragt man sich in der Region, wo das Brauchtum jedes Jahr stattfindet.

Silvesterchläuse (Archivbild) Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Dazu kommt ein sehr bestimmter, aber auch trauriger Vers:

Ke Schelle, ke Rolle, ken Juchz am Morge früe, da isches, wa ös hür wert blüeh.

Ke Freud am vorige Tag, ke Larve, ken Groscht parat.

Ken Hond, wo bellet, wenn Gstalte os de Nacht erschinid, ke Chend, wo stuunet,  wie d'Schelle singid.

Ke Freud i Vater's Auge, wenn er sin Bueb kört zaure.

Ke Chrees, ke Moos ond ke Sammet, da isch sie niemert gwannet.

Kenn Rolli nennt s'Blüemli is Muul, ken Schelli zücht a de Pfiffe, cha da näbert begriffe?

Ke Zäuerli, ken Gspass, ke heisse Wii, alls lueget truurig dree.

De Grossvater, wo mengs Jahr isch gse, körts villicht nie mee.

I frog eu, er liebe Lüüt: Wönd er da wörkli eso haa?

OSSERRHODER STÖND UUF OND LEGGID AA!!!

En Chlaus

Silvesterchläuse (Archivbild) Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Die Jahreswende wird in gewissen Gemeinden des Kantons Appenzell Ausserrhoden zweimal gefeiert, einmal nach dem gregorianischen Kalender am 31. Dezember und einmal nach dem julianischen Kalender am 13. Januar (Alter Silvester). An diesen Tagen ziehen die Silvesterkläuse mit ihren Schellen in Schuppeln (kleine Gruppen) singend und «zauernd» (einen Naturjodel singend) von Haus zu Haus, um ein gutes Jahr zu wünschen. Falls der 31. Dezember oder der 13. Januar auf einen Sonntag fällt, so wird am Vortag gefeiert.

Das Chlausen wurde mal mit fünf Talern Busse bestraft

Schriftlich wird das Chlausen 1663 erstmals erwähnt: Die kirchliche Behörde wehrte sich gegen das laute Herumlaufen in der Nacht. Im Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das Chlausen laut dem Mandantenbuch von 1776 bis 1808 mit fünf Talern Busse bestraft. Dies führte dazu, dass der Brauch nur im Kanton Appenzell Ausserrhoden erhalten blieb. Dennoch wurde das Chlausen auch in Innerrhoden bis um das Jahr 1900 in kleinem Rahmen mehr oder weniger «versteckt» oder von der jeweiligen Bezirksobrigkeit «stillschweigend toleriert» gepflegt.

Das Chlausen passte der Kirche nicht

Heute wird davon ausgegangen, dass das Chlausen keinen heidnischen Ursprung hat, sondern auf einen spätmittelalterlichen Brauch von Klosterschülern in Nordfrankreich zurückgeht. Im 15. Jahrhundert soll das adventliche Treiben immer wilder und fasnächtlicher geworden sein, was der Kirche nicht passte. Möglicherweise wurde das Chlausen deshalb von der Adventszeit auf den Silvester verlegt.

Patricia Rutz/Werner Schaffhauser/Toggenburg24