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Flawil
17.12.2020

Was 2020 in Flawil und Degersheim bewegt hat

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Was hat in Flawil und in Degersheim in den zurückliegenden zwölf Monaten bewegt? Ein Blick zurück.

Erwerb Liegenschaften Magdenau

Es war im Jahre 1881, als das Kloster Magdenau der damaligen Schulgemeinde Magdenau das «alte» Schulhaus Magdenau geschenkt hat. Gemäss Schenkungsvertrag durfte das Objekt zu keinem anderen als zu Schulzwecken benutzt werden. Diese Bestimmung wurde so als Dienstbarkeit (Benutzungsbeschränkung zugunsten Kloster Magdenau) im Grundbuch eingetragen. Als der Bedarf für einen Ausbau des Schulhauses bestand, räumte das Kloster Magdenau der damaligen Schulgemeinde Degersheim im Jahr 1981 ein auf 100 Jahre dauerndes unentgeltliches Baurecht auf dem Grundstück des «neuen» Schulhauses ein. Im Baurechtsvertrag wurde wiederum eine Benutzungsbeschränkung vereinbart, wonach das Gebäude nur als Primarschulhaus verwendet werden darf. Anfangs Jahr hat das Kloster Magdenau sämtliche Dienstbarkeiten gelöscht und die Grundstücke der beiden Schulhäuser, des Weihers sowie des Sportplatzes ins Eigentum der Gemeinde Degersheim übertragen.

Spital Flawil

Anfang Dezember 2020 hat der Kantonsrat seine letzte Lesung zur Spitalvorlage durchgeführt. Wie erwartet sollen die Landspitäler Altstätten, Flawil, Rorschach und Wattwil in den nächsten Monaten oder Jahren geschlossen werden. Das Spital Flawil wird jedoch nicht einfach geschlossen, sondern erfährt eine neue medizinische Zukunft. Es wird dann zwar nicht mehr als traditionelles Spital geführt. Es soll aber unter der Federführung des privaten Anbieters Solviva ein Gesundheits-, Notfall- und Therapiezentrum mit verschiedenen Partnern entstehen. Solviva gedenkt, Pflegebetten für spezielle Bedürfnisse anzubieten. Das Kantonsspital St.Gallen sieht für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Anzahl Betten für Palliative Care oder für Schmerztherapien vor. Es prüft auch Angebote von Spezialsprechstunden. Das Schweizerische Paraplegiker-Zentrum beabsichtigt, in Flawil ein ambulantes paraplegiologisches Angebot für die Ostschweiz aufzubauen. Zudem suchen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte der Region nach Wegen einer optimalen Einbindung in das neue Gesundheits-, Notfall- und Therapiezentrum. Bei dieser Nachfolgelösung spielt auch das benachbarte Wohn- und Pflegeheim Flawil eine tragende Rolle. Damit ist die Weichenstellung für die Zukunft des Spitals Flawil erfolgt.

Ortsplanung

Am 5. November 2019 hat der Gemeinderat Degersheim im Rahmen der Ortsplanungsrevision den neuen Zonenplan und das neue Baureglement erlassen und anschliessend öffentlich aufgelegt. Nachdem die Einspracheverfahren durchgeführt waren, erfolgte im Juni die Referendumsauflage. 508 Stimmberechtigte unterzeichneten das Referendum und verlangten damit eine Urnenabstimmung, welche am 29. November 2020 stattfand. Bei einer Stimmbeteiligung von knapp 53 Prozent sprach sich mit 734 Nein-Stimmen gegenüber 583 Ja-Stimmen eine Mehrheit gegen die vorgelegten Erlasse aus. Der Gemeinderat wird den Prozess neu starten. Es darf damit gerechnet werden, dass die Ortsplanung in zwei bis drei Jahren aufgelegt werden kann. Die Gelegenheit zur aktiven Mitwirkung in den einzelnen Prozess-Schritten ist wiederum gewünscht.

Flawiler Corona-Gutscheine

Die Corona-Pandemie hat unser Leben in diesem Jahr völlig auf den Kopf gestellt. An der im Mai 2020 durch den Gemeinderat organisierten Flawiler Corona-Konferenz mit Vertretungen aus Wirtschaft und Politik wurden Unterstützungsmöglichkeiten in Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten von Bund und Kanton diskutiert. Gesucht waren Vorschläge, mit denen sowohl die Bevölkerung als auch die Flawiler Unternehmen unterstützt werden können. Die GGA Flawil Genossenschaft entwarf die Idee, mit einem Teil ihres Vermögens nicht nur einzelne Projekte im Dorf zu unterstützen, sondern in der besonderen Lage etwas Gutes für ganz Flawil zu tun. Sie schlug vor, allen Flawiler Haushalten einen Corona-Gutschein zuzustellen, der in den Flawiler Unternehmen eingelöst werden kann. Der Gemeinderat stellte sich hinter die Aktion und beschloss, jeden von der GGA Flawil gespendeten Franken zu verdoppeln. Bis Ende Mai 2020 wurde deshalb jedem Flawiler Haushalt ein Corona-Gutschein im Wert von 50 Franken zugestellt.

Sonnenblumenwettbewerb

Am 13. November 2019 konnte die Gemeinde Degersheim das Label «Grünstadt Schweiz» entgegennehmen und plante, dies im Frühling, mit dem Erwachen der Natur, mit der gesamten Bevölkerung zu feiern. Doch dann kam die Coronavirus-Pandemie. Um auch ohne gemeinschaftlichen Anlass das Label Grünstadt Schweiz zu feiern und dieses bekanntzumachen, hat die Gemeinde Degersheim im Sommer einen Sonnenblumenwettbewerb ausgeschrieben. Etwas über 90 Personen haben sich registriert und fleissig Sonnenblumen gepflanzt und gepflegt. Überall in der Gemeinde waren Ende Sommer schöne Sonnenblumen mit Grössen von teilweise weit über drei Metern zu sehen. Anfangs September wurden die Gewinnerinnen und Gewinner ermittelt und geehrt. Mit einer Höhe von 3,68 Metern gelang es Margrith Pinelli die höchste Sonnenblume zu ziehen.

Lehmtobel

Die Arbeiten zur Sanierung der Deponie Lehmtobel und zum Ausbau des Lehmtobelbachs wurden in diesem Jahr abgeschlossen. Die Altlastensanierung ist erfolgreich verlaufen. Das Lehmtobel wurde während mehrerer Jahrzehnte, von 1910 bis 1960, als Ablagerungsplatz und Kehrichtdeponie genutzt. Dabei wurden der Bach eingedolt und das Tobel teilweise aufgefüllt. Eine Sanierung wurde notwendig, weil die Sickerwässer mit Schadstoffen aus der Deponie belastet waren. Diese Sickerwässer gelangten von der Deponie in den Lehmtobelbach. Ausserdem war die Böschung in Richtung Bach instabil, und die Eindolung unterhalb der Deponie drohte einzubrechen. Im Dezember 2018 erfolgte der Spatenstich. Die Bauarbeiten dauerten etwas mehr als ein Jahr. Die Altlastensanierung darf als geglückt und der Ausbau des Lehmtobelbachs als sehr gut gelungen bezeichnet werden.

Spielplatz Wolfertswil

Der Spielplatz Wolfertswil befindet sich auf Teilen von zwei Privatgrundstücken für welche sich die Gemeinde ein Nutzungsrecht bis ins Jahr 2020 gesichert hatte. Die Grundeigentümer Arthur Räss sowie Barbara und Daniel Tschopp haben für eine Verlängerung des bestehenden Nutzungsrechtes um weitere 20 Jahre verdankenswerterweise Hand geboten. Nach der Verlängerung der Nutzungsrechte entstand unter Federführung der Dorfkorporation Wolfertswil ein komplett umgestalteter neuer Spielplatz. Die Dorfkorporation Wolfertswil und die Politische Gemeinde Degersheim haben sich je zur Hälfte an den Kosten beteiligt. Künftig wird die Politische Gemeinde Degersheim für den Unterhalt des Spielplatzes besorgt sein. Seit dem Frühling ist dieser eröffnet und ist ein allseits beliebter Treffpunkt.

Fürstenlandradweg

Im Frühjahr 2019 wurde mit dem Bau des Fürstenlandradwegs begonnen. Im Sommer 2020 konnte der neue Radweg zwischen dem Ortsteil Schändrich und dem Weiler Burgau offiziell eröffnet werden. Mit dem 800 Meter langen Teilstück konnte eine wichtige Lücke des regionalen Fürstenlandradwegs geschlossen werden. In diesem Zusammenhang kommt auch den Strassen des Weilers Burgau eine grössere Bedeutung zu. Denn die Gielen- und die Columbanstrasse sind Teil des neuen Radwegs. Da diese Strassen sind in einem schlechten Zustand waren, wurden sie ebenfalls erneuert.

Neue Arbeitsplätze

Die Coronakrise bringt auch Gewinner: Aufgrund der grossen Nachfrage produziert die Nolato Treff AG in Degersheim an sieben Tagen rund um die Uhr Medizinalzubehör. Das Degersheimer Unternehmen wurde als «system-relevanter Betrieb» im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie eingestuft. Dieser faktische Ausnahmestatus, den sich die Nolato Treff AG sichern konnte, erleichterte im Lockdown unter anderem auch die Beschaffung von Desinfektionsmitteln und Schutzmasken, die in der Fertigung unabdingbar sind. Die Auslastung war bereits vor der Pandemie hoch, sodass die Nolato Treff AG frühzeitig einen Neubau planen konnte. Dieser ist nun in Umsetzung, soll im Frühling des nächsten Jahres in Betrieb genommen werden und rund 50 neue Arbeitsplätze generieren.

Konzept «Vereinsunterstützung 2020+»

In Flawil gibt es heute knapp 100 Vereine. Sie tragen ganz entscheidend zur Lebendigkeit der Gemeinde bei. Doch die Vereine geraten immer mehr unter Druck. Auf der einen Seite verändert sich die traditionelle Bindung ihrer Mitglieder. Auf der anderen Seite werden an die ehrenamtlichen Führungspositionen immer höhere Ansprüche gestellt. Mit dem Konzept «Vereinsunterstützung 2020+» wurde die Grundlage erarbeitet, wie Vereine durch die Gemeinde unterstützt werden können. Mit konkreten und angedachten Massnahmen im Konzept zeigt der Gemeinderat auf, wie die Bedürfnisse der Vereine bestmöglich erfüllt werden können. Der Rat hat das Konzept «Vereinsunterstützung 2020+» per 1. September 2020 in Kraft gesetzt.

Gemeinde Flawil