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Lifestyle
02.01.2021
02.01.2021 17:42 Uhr

Waren Sie auch mal unverhoffter Erbe von Millionen?

Angebliche Erbschaft nach einem unbekannten ausländischen Erblasser? (Symbolbild: Shutterstock)
Vorsicht! Immer wieder wollen gewiefte Betrüger an Ihr Geld. Immer wieder werden selbst unter erfahrenen Geschäftsleuten Opfer gefunden. So wie es vor einiger Zeit einem Ostschweizer Geschäftsmann ergangen ist.

Vielleicht ist es auch Ihnen schon passiert? Eine E-mail direkt an Sie adressiert, von einem spanischen, italienischen oder afrikanischen angeblichen Anwalt oder Notar. "Glückwunsch! Ein Ihnen unbekannter, aber denselben Nachnamen tragender Mensch ist unter Hinterlassung eines Vermögens in Millionenhöhe, aber ohne bekannte Erben verstorben." Und der Herr Anwalt oder Notar sei mit der Abwicklung der Verlassenschaft betraut worden und wolle Ihnen gegen eine geringe Beteiligung diese Erbschaft zukommen lassen.

Was zunächst wie ein Lottotreffer ohne Spielschein klingt, erweist sich dann als Fass ohne Boden. Denn natürlich ist alles nur Betrug, es gibt weder ein Vermögen noch eine Erbschaft, nur Versprechungen. Und Forderungen, denn es sind natürlich vorab angeblich hohe Gebühren zu bezahlen. An das Finanzamt, an die Gerichte, an andere Notare. Um Vertrauen zu schaffen, wird Ihnen der Herr «Anwalt» telefonisch erklären, dass er persönlich die Hälfte dieser Kosten übernehme, wenn er auch an der «Erbschaft» beteiligt werde. Freilich nur, wenn Sie vorab die andere Hälfte auf sein Konto überweisen.

Wie ein Esel mit Karotte vor der Nase

So ging es vor einiger Zeit auch einem Geschäftsman aus dem Rheintal (Name der Redaktion bekannt). Der gute Mann konnte sein Glück kaum fassen, dass er auf einmal unvermutet zu einem Millionenvermögen kommen sollte. Wie ein Esel der Karotte vor der Nase hinterherläuft, glaubte der alterfahrene Geschäftsmann den Versprechungen des vermeintlichen Anwalts aus Spanien und den per E-mail übermittelten Sterbeurkunden und angeblichen Gerichtsunterlagen. Freilich ohne zu prüfen, ob es denn tatsächlich einen Rechtsfreund dieses Namens am vermeintlichen Kanzleisitz des Advokaten gebe.

Die Erbschaft sei in bar vorhanden

Als er dann auch noch angebliche Gebühren für eine Tresormiete einer spanischen Bank auf das Anwaltskonto bezahlen sollte, wurde unser Geschäftsmann misstrauisch. Daraufhin lud ihn sein angeblicher Rechtsvertreter ein, doch schnell in den sonnigen Süden zu fliegen. Das Erbe über einige Millionen Euro sei in bar vorhanden und könne er die vielen Banknotenbündel persönlich in Augenschein nehmen. Gesagt, getan. Flug gebucht. Am Flugplatz am Zielort von einem deutsch radebrechenden sympathischen Herrn erwartet. Der Herr Anwalt habe kurzfristig seine Pläne ändern und absagen müssen, seine Frau sei schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert worden, doch er sei beauftragt worden, die Erbschaft zu zeigen. Für einen Krankheitsfall hat man immer Verständnis und so fuhr unser Hoffnungserbe mit in eine Vorstadtbankfiliale, wo er in einen Besprechungsraum geleitet wurde. Dort wartete kein Banker, sondern lediglich ein grosser Koffer, bis oben hin voll mit verschweissten Banknotenbündeln mit Banderole. Die – man kann es sich denken – natürlich nicht geöffnet werden durften.

Trauen Sie keinen Versprechungen

Am nächsten Tag war das Betrugsopfer wieder zuhause und überwies sofort die geforderten, in Wahrheit frei erfundenen Bankdepotgebühren. Um die Geschichte abzukürzen: Erst als knapp insgesamt 50´000 Franken nach Spanien überwiesen worden waren, zog unser Freund die Reissleine und stellte alle Zahlungen ein. Worauf er natürlich nie mehr etwas vom iberischen Advocatus und seinen Helfern hörte. Woraufhin er feststellen musste, dass weder der angegebene Kanzleisitz noch der Herr selbst real existent waren. Und dass seine Überweisungen natürlich längst weitertransferiert und das ihm bekannte Konto geschlossen worden war. Aus Scham und aus Furcht, dass er sich blamieren würde, hat der Beinaheerbe natürlich auf ein Strafermittlungsverfahren verzichtet und will auch weiterhin anonym bleiben.

Unser Rat: trauen Sie niemals irgendwelchen Versprechungen, schon gar nicht jenen, die von unbekannter Seite im Internet gemacht werden. Denn man bekommt gerade in der Finanzbranche nichts geschenkt. Und unseriöse Anbieter wollen nur eines: Ihr Geld. Also vertrauen Sie nur jenen, die plausible Zusagen machen, die von ihrem guten Ruf leben und diesen nicht verlieren möchten. Vertrauen Sie nur den geprüften und von der Finanzmarktaufsicht kontrollierten Banken, Beratern sowie den im Anwaltsregister eingetragenen Juristinnen und Juristen.

Rheintal24/gmh/uh