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Wirtschaft
16.01.2021

Aktienmärkte: Nach Euphorie dominiert Vorsicht

Christopher Chandiramani: «Die Publikation von Firmenergebnissen dürfte die Börsen in den kommenden Wochen massgeblich beeinflussen.»
Auf mutierte, ansteckendere Corona-Viren reagieren Behörden mit Verschärfungen. In den USA könnte die Amtsübergabe turbulent verlaufen. Die Investoren werden vorsichtiger, teils gab es Gewinnmitnahmen.

Zwar sanken die Fallzahlen in den letzten Tagen, aber präventiv greifen Bundesrat und BAG zu Verschärfungen, wie von den Experten gefordert und im Ausland bereits vollzogen. Ab Montag (18.01.) gilt ein neuer Shutdown für den Detailhandel (Ausnahme Lebensmittel).

Erst Ende Februar wird wieder über Lockerungen diskutiert. Restaurants bleiben fünf Wochen länger geschlossen.

Unsicherheiten bezüglich Amtsübergabe in den USA

Unsicherheiten herrschen in den USA bezüglich der Amtsübergabe. Es ist unklar, ob der neue Präsident ohne Proteste und Streitereien ins Weissen Haus einziehen kann.

Gleichzeitig läuft ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump. Das ist schwer zu verstehen wenige Tage vor Ablauf seiner Amtszeit (20.01.). Aber die Demokraten wollen damit eine wiederholte Kandidatur Trumps in vier Jahren verhindern.

Nach Rekordständen an der Börse kam es in der Berichtswoche zu Gewinnmitnahmen. Dank eines von Präsident Biden neu angekündigten Corona-Hilfspakets für die Wirtschaft im Wert von 1.9 Billionen USD hielt sich die Börsenkorrektur in Grenzen.

Unternehmensmeldungen

Mit über 10'850 Indexpunkten war der SMI insgesamt nur wenig verändert im Vergleich zur Vorwoche.

Die Grossbank UBS reduziert aufgrund von Sparmassnahmen ihr Filialnetz markant. Jede fünfte von 240 Filialen soll geschlossen werden. Die betroffenen Mitarbeiter – insgesamt rund 150 – sollen höchstens über Fluktuationen abgebaut werden. Zudem werden ab Juli 2021 die Kunden mit Negativzinsen belastet.

Der Sanitärkonzern Geberit trotzt der Corona-Krise. Der Umsatz nahm zwar im letzten Jahr um 3.1 Prozent auf knapp drei Mrd. CHF ab. Unter Berücksichtigung der negativen Währungseffekte ergab sich ein leichtes organisches Wachstum etwas über ein Prozent. Auch die Margen lagen leicht über den Erwartungen. Trotzdem fiel der Aktienkurs nach starken Avancen der Vormonate. Finanzchef Roland Iff tritt per Ende 2021 zurück.

Die Internetbank Swissquote hat vom Lockdown profitiert und erzielte im Jahre 2020 ein Rekordergebnis. Gemäss provisorischen Zahlen erwirtschaftete die Bank einen Ertrag von etwa 315 Mio. CHF (Vorjahr 231 Mio.) und einem Gewinn von über 105 Millionen (51 Mio.).

Der Finanzdienstleister Partners Group überschritt die 100 Milliardengrenze bezüglich verwalteter Vermögen. Auch der Aktienkurs erreichte hier ein Allzeithöchst von zeitweise über CHF 1’050.

Der Chef der Versandapotheke zur Rose wurde vom Bezirksgericht Frauenfeld freigesprochen. Sowohl der Online-Medikamentenversand als auch umstrittene Entschädigung an Ärzte wurden nicht strafrechtlich geahndet. Diese Aktie hat sich innert Jahresfrist beinahe verdreifacht.

Aussichten

Die Publikation von Firmenergebnissen dürfte die Aktienbörsen in den kommenden Wochen massgeblich beeinflussen. Es könnte zahlreiche positive und negative Überraschungen geben. Überdurchschnittlich entwickelten sich die Bereiche Pharma und Technologie. Versicherungen und einige Industriewerte könnten auch Verluste aufweisen durch Corona, bei den Banken ist dieser Effekt eher neutral.

Die Weltwirtschaft ist davon ausgegangen, dass im Frühjahr 2021 die Rückkehr zur Normalität in die Nähe rückt. Man hatte mit dem raschen Sieg gegen die Corona-Pandemie gerechnet. Die Einführung von Impfungen stimmte zuversichtlich.

Leider verschieben sich diese Erwartungen zeitlich. Die Corona-Krise dürfte länger dauern und wird teurer. Mutierte Viren sind unberechenbar. Im Gegenzug werden die Hilfszahlungen für leidende Branchen und Unternehmungen aufgestockt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24