Kultur
24.01.2020
24.01.2020 13:57 Uhr

NOBERT THALER KONTAKT FÜR ALLE GOSSAUER VEREINE

Die Stadt Gossau stärkt die Freiwilligenarbeit. Die bisherige «Fachstelle Sport» wurde per Anfang 2020 zur «Fachstelle Sport Kultur Freizeit» erweitert. Fachstellenleiter Norbert Thaler ist deshalb neu die Ansprechstelle für alle Gossauer Vereine.

Norbert Thaler, was ist die Aufgabe der neuen «Fachstelle Sport Kultur Freizeit»?

Norbert Thaler: Die Schaffung der vergrösserten Fachstelle geht noch auf eine Idee des damaligen Stadtrates Bruno Damann zurück, der in der Stadt Gossau die Freiwilligenarbeit verstärken und damit die Unterstützung aller Vereine intensivieren wollte. Mit der Schaffung der Multi-Fachstelle ist diese Idee jetzt realisiert worden.

Und was ist genau der Auftrag der neuen Fachstelle?

Wir kümmern uns um alles, was mit Freiwilligenarbeit zu tun hat. Wir sind die Ansprechstelle für alle Vereine – mit Ausnahme der strategischen Vereine und Stiftungen wie Walter Zoo usw., die weiterhin durch die Stadtkanzlei und den Stadtpräsidenten Wolfgang Giella betreut werden.

Sie sagen wir. Wer ist wir?

Mein Arbeitspensum bleibt mit 50 Prozent unverändert. Für die zusätzlichen Aufgaben kann ich im Moment noch im Umfang von 20 Prozent auf die Stadtkanzlei zurückgreifen. Diese 50 plus 20 Prozent sind auch so im Budget enthalten. Stadträtin Helen Alder Frey, meine Vorgesetzte, vertritt neu auch alle Vereine innerhalb des Stadtrates. Das vereinfacht die Schnittstellen und die Koordination.

Was ändert sich für die Gossauer Vereine?

Bisher hatten nur die IG Sport und die IG Kultur im Rathaus direkte Ansprechpartner. Die anderen Vereine mussten sich je nach Anliegen durch die Ämter kämpfen. Das ist jetzt neu: Alle Vereine haben eine direkte Ansprechstelle.

Das heisst, die Fachstelle vertritt die Stadt gegenüber den Vereinen?

Und umgekehrt. Die Fachstelle vertritt einerseits die Anliegen der Vereine innerhalb der Stadtverwaltung als Nutzervertreterin, andererseits aber auch die Stadt gegenüber den Vereinen. Die Vereine wickeln zum Beispiel die Reservationen weiterhin direkt mit dem Facility-Management oder die Gesuche und Bewilligungen direkt mit der Stadtkanzlei ab. Mit den restlichen Anliegen kommen die Vereine zu uns.

Es geht also vor allem um die städtischen Anlagen?

Nicht nur. Vorab geht es darum, den Vereinen gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie auch in der Zukunft weiter existieren können. Wir vertreten ihre Anliegen in den unterschiedlichen Ämtern und Bereichen und koordinieren diese. Sponsoring und das Beitragswesen für Jugendmitglieder laufen ebenfalls bei uns ein. Wir konzentrieren uns auf die Rahmenbedingungen.

Sie sind als «Mister Sport» in Gossau bekannt. Jetzt werden sie auch zum «Mister Kultur»?

(lacht) Ich bin doch die Kultur in Person! Nein, Spass beiseite: Mir liegt die Kultur schon seit jeher am Herzen. Ich habe einfach wenig Zeit, diese selber zu geniessen. Ich bin schon längere Zeit auf der organisatorischen Ebene mit der Kultur verbunden. Dennoch habe ich eine gewisse Nähe zu den Gossauer Kulturvereinen. So durfte ich den Aufbau der IG Kultur moderieren und als damaliger «IG Sport»-Präsident sogar die Gründungsversammlung leiten. Ich habe den Gemeinschaftsstand mit Kultur und Sport an der G17 initialisiert. Wir fördern und unterstützen die Zusammenarbeit zwischen IG Kultur und IG Sport schon länger. Ich schätze die grosse Arbeit von allen Vereinen und die vielen engagierten Gossauerinnen und Gossauer, die oft ihre Freizeit in ihren Verein investieren.

Der Bereich Sport ist mit der Sportstättenplanung aktuell eine grosse Belastung. Haben Sie da überhaupt noch Zeit für die Anliegen der Kultur?

Ja, ich werde mir auch für die Anliegen der Kulturvereine die notwendige Zeit nehmen. Es verbietet mir ja niemand, ehrenamtlich etwas länger zu arbeiten…

Was beschäftigt Sie aktuell als «Mister Kultur»?

Mit der Umfrage und dem Vereinsworkshop im Dezember haben wir viele Antworten erhalten und wissen jetzt, wo die Vereinsschuhe drücken. Jetzt haben wir ähnlich wie damals von Sport und Schulen die Anforderungen der Vereine auf dem Tisch.

Und was folgt?

Wir sind daran, die Ist-Auslegeordnung des aktuellen Zustandes zu vervollständigen. Nachdem wir die Ist- und Soll-Zustände konsolidiert haben, können wir den tatsächlichen Handlungsbedarf ermitteln. Daraus werden die Handlungsempfehlungen an den Stadtrat erarbeitet.

Was bedeutet das für das Projekt für ein «Haus der Kultur»?

Das heisst, dass aus den Anforderungen zuerst die Raumprogramme und Rahmenbedingungen zusammen mit den Betroffenen erarbeitet werden müssen. Erst dann macht es Sinn, sich mit klaren Grundlagen an die Planung eines «Hauses der Kultur» zu machen. Erst wenn wir die verlässlichen Grundlagen haben, macht es Sinn, das Projekt zu vertiefen. Auch wenn das zu Verzögerungen führt, so denke ich: Lieber später, dafür richtig! Im Endeffekt ist dies schneller und günstiger, als nachher alles zu ändern, weil es nicht passt.

Wenn jetzt die Kultur im Fokus Ihrer Arbeit steht, muss da der Sport darunter leiden?

Nein, darunter leiden nur eher meine Frau, meine vier Kinder und meine sieben Grosskinder. Aber sie alle unterstützen mich seit jeher grossartig. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

GoInside / Herbert Bosshart