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Wirtschaft
26.03.2021
27.04.2021 20:17 Uhr

Aktienbörse – Corona-Strategien verwirren

Christopher Chandiramani: «Publizierte Unternehmensabschlüsse waren sehr unterschiedlich.» Bild: Linth24
Trotz Angst wegen steigenden Corona-Fallzahlen und vor einer dritten Welle haben die leicht zugelegt. Getragen wurden durch die Märkte mehrheitlich durch defensive Standartwerte.
  • Kolumne von Christopher Chandiramani

Der Paukenschlag zur Wochenmitte war der Rückzug vom angekündigten grossen deutschen Lockdown über Ostern durch Angela Merkel und die Entschuldigung seitens der Kanzlerin. Unklar bleiben jedoch die Motive, Corona als weniger schlimme Pandemie oder zu hohe rechtlich Hürden.
Auch die Schweiz hat ihre Sorgen. Wegen eines Datenlecks musste die nationale Internet-Impf-Plattform geschlossen werden. Derweil ist die Zahl der Positiv-Getesteten auf wieder über 2000 Fälle pro Tag angestiegen. Bis zum Sommer soll es aber ein einheitliches, international anerkanntes Impfzertifikat geben.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ändert Zinspolitik nicht und führt ihre expansive Geldpolitik fort. Die Notenbank geht zudem davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr wieder Schwung gewinnt. Bis zu drei Prozent Wirtschaftswachstum sollen möglich sein.
Die Erdölpreise sind innert Wochenfrist stark gestiegen. Eines der grössten Transportschiffe der Welt ist im Suez-Kanal zwischen Asien und Europa stecken geblieben. Die Folgen der Havarie zeigen sich bereits jetzt – Verknappungen. Zwischen 10-12 Prozent des Welthandels werden durch diesen Kanal geschleust. Diese Blockade dürfte die Versicherungen voraussichtlich einige Milliarden Dollar Schadenersatz kosten.

Informationen kamen von kleineren Werten

In der Berichtswoche verhalfen vor allem die Aktien der internationalen Schwergewichte zu neuen Indexrekorden, aber die Meldungen kamen zumeist von kleineren Firmen. Der Genfer Augenheilkonzern Alcon strebt bis 2025 einen Umsatz auf von 10 Mrd. USD an, wie an einem Investorentag gesagt wurde. 2020 waren die Verkaufserlöse um 9 Prozent auf 6.83 Mrd. USD gefallen, da viele Augen-Behandlungen aufgeschoben wurden. Die EBIT-Marge betrug 11.7 Prozent. Alcon will trotz Nettoverlust von 531 Mio. USD eine Dividende von 10 Rappen je Aktie ausschütten. Helvetia Versicherungen erleiden den tiefsten Gewinn seit der Finanzkrise von 2008. Der Reingewinn fiel 2020 um fast die Hälfte auf 282 Mio. CHF zurück. Hauptursachen waren Corona-bedingte Schadenzahlungen und Anlageverluste im April 2020. Der IT-Dienstleister SoftwareOne steigerte den Ertrag 2020 um 0.6 Prozent (6.4 Prozent währungsbereinigt) auf 7.91 Mrd. CHF. Das ergab per Saldo einen Reingewinn von 177 Mio.  nach zuvor 125 Mio. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 0.30 CHF (Vj. 0.21). Mit den vorgelegten Zahlen verfehlte die Gesellschaft die Erwartungen, was einen Kurssturz von rund 20 Prozent zur Folge hatte. Die Messe Schweiz muss Umsatzeinbruch um 60 Prozent auf 188 Mio. CHF hinnehmen. Das Jahresergebnis fiel mit einem Minus von 72.2 Mio. ebenfalls tiefrot aus. Wegen Corona wurden die meisten Anlässe storniert. Straumann (Dental-Implantate) baut einen neuen Campus in China bei vorgesehenen Investitionen von 170 Mio. Fr. Die Aktien des kleine aber börsenkotierten Cybersecurity-Ecperten Wisekey vollführen einen Kurssprung um fast 50 Prozent. Das Unternehmen hatte die Lancierung von Spezialanwendungen im Kunstbereich angekündigt.

Aussichten

Es gibt zwei negative Faktoren, erstens die wieder steigenden Corona-Fallzahlen und zweitens die mit der Pandemie zusammenhängende wirtschaftliche Schwäche. Auf der positiven Seite sind es die anhaltend expansive Geldpolitik und die staatliche Nothilfe an die Wirtschaft, was zurzeit die Börse seit April 2020 auf Rekordwerte treibt. Die Unternehmenszahlen sind gemischt, meist Rückgänge von Umsatz und Reingewinn, teilweise weniger als erwartet. Dividendenausfälle gibt es nur vereinzelte. Eine Korrektur der Aktien nach Ende der Dividendenperiode ist nicht ausgeschlossen, ein «Sell in May and go away» wäre wieder eine Kaufgelegenheit. Pharma und Technologie waren bis jetzt die Favoriten. Für Engagements in schwächeren Sektoren wie Airlines, Flugzeughersteller, Tourismus usw. ist es aber offenbar noch zu früh.  

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24