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Wirtschaft
10.04.2021
27.04.2021 20:17 Uhr

Aktienbörse immer noch in Osterstimmung

Einzig zwei Finanzskandale sorgten für einen vorübergehenden Dämpfer bei Banken und Versicherungen, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
In der verkürzten Osterwoche setzte sich die positive Grundtendenz an den Märkten fort. Die Indices vieler Börsenplätze sind nahe am Allzeithöchst, in der Schweiz blieb der SMI über 11'200 Punkten.

Gemäss Sitzungsprotokollen der US-Notenbank FED sollen die Zinsen bis ins Jahr 2023 tief und die Geldpolitik weiterhin sehr expansiv bleiben, was auch bei den langfristigen Zinssätzen der Staatsanleihen für eine Beruhigung sorgte.

US-Präsident Joe Biden und seine Finanzchefin Janet Yellen planen eine weltweit geltende neue Steuer für internationale Konzerne und Internetfirmen. Diese voraussichtliche Steuererhöhung hatte bis jetzt aber kaum Einfluss auf die Aktienmärkte.

Bei der Corona-Situation hat sich nur wenig geändert. Trotz Tests und Impfungen steigen die Fallzahlen wieder an. In Deutschland spricht man wieder von einem stärkeren Shutdown, Österreich und andere Länder planen hingegen Lockerungen. Der Bundesrat will immer noch nichts wissen von Restaurant-Öffnungen.
Die Schweizer Jugend in den Städten protestiert, will schneller zurück zur Normalität, in St.Gallen gab es Osterkrawalle. Die Polizei hat mit harter Hand durchgegriffen.

Unternehmensnachrichten

In der Berichtswoche gab es vorübergehende Korrekturen im Finanzbereich.

Die Credit-Suisse ist wieder einmal negativ im Fokus, ins Schussfeld geraten nach dem Zusammenbruch der beiden Hedge-Funds Greensill und Archegos. Der Schaden soll mindestens 4.4 Milliarden betragen: Zwar sei die Existenz der Bank nicht bedroht, aber zwei Verantwortliche wurden entlassen, dem Management werden Boni gekürzt, geplante Aktienrückkäufe und ein Teil der Dividende für die Eigentümer entfallen.

Gemäss Pressemeldungen soll die Zürich Versicherungen in einen Immobilienskandal in Grossbritannien verwickelt sein. Die Schadenssumme könnte hier einer Milliarde betragen. Mehr Details wurden aber nicht bekannt.

Die Corona-Krankheit hat letztes Jahr die Jungfraubahnen hart getroffen. Die Unternehmung erlitt einen Verlust von 9.7 Mio. CHF (Vorjahr 53 Mio. CHF Gewinn). Für die Aktionäre gibt es keine Dividende.

Gut geht es hingegen der Ems-Gruppe. In den ersten drei Monaten 2021 ist die Unternehmung deutlich gewachsen, der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 566 Mio. CHF, ein Trend wie vor der Pandemie. Die Gewinnzahlen werden erst später bekannt gegeben.

Der Zementhersteller LafargeHolcim soll künftig wieder «Holcim Ltd» heissen. Aus Marketinggründen wird der Name des Konzerns vereinfacht.

Bei Swisscom war der Kurseinbruch rein optisch auf den Dividendenabgang zurückzuführen (CHF 22). In der Sprache der Insider nennt man Aktien mit hohen Dividenden «Obligationenersatz».

Beim Zürcher Oberländer Hersteller von Klappenstellantrieben Belimo wurden die Aktien im Verhältnis 20:1 aufgeteilt.

Aussichten

Oft gibt es im Mai eine Konsolidierung an den Aktienbörsen. Das hat mit dem Ende der Generalversammlungs- und Dividendensaison zu tun, wo auch die Unternehmensnachrichten versiegen bzw. Pause machen. Mit den Halbjahreszahlen kommt im Sommer der Nachrichtenfluss wieder in Schwung.

Abhängig ist die Entwicklung weiterhin von der Corona-Pandemie. Eine rasche Rückkehr zur Normalität wäre eine optimale Basis für eine weitere Kurssteigerungen an den Aktienbörsen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24