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14.04.2021
14.04.2021 11:28 Uhr

„Bank mit klugen Entscheiden in die Zukunft führen“

(V. l) Patrik Forster als neu gewählter VR-Präsident, Judith Scherzinger und Martin Pfister als neue VR-Mitglieder. Bild: Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil
Interview mit dem neugewählten VR-Präsidenten der Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil.

Patrik Forster wurde 2014 Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Andwil-Arnegg. Mit der Fusion im Jahr 2019 übernahm der gebürtige Abtwiler das Vizepräsidium der neuen Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil. Jetzt haben die Mitglieder den 55jährigen Verkaufs- und Marketingleiter einer schweizweit tätigen, börsenkotierten Grosshandelsfirma mit einem Glanzresultat zum Nachfolger von Arthur Fagagnini als Präsidenten des Verwaltungsrates gewählt.

Herr Forster, herzliche Gratulation zur Wahl. Wegen der Pandemie musste die 86. Generalversammlung schriftlich bzw. elektronisch durchgeführt werden. Sie sind also der erste Präsident in der Geschichte der Bank, der auf diesem Weg gewählt wurde. Wie fühlt sich das für Sie an?
Patrik Forster: "Zuerst einmal freue ich mich über die Wahl und bedanke mich an dieser Stelle bei allen Genossenschafterinnen und Genossenschafter für das mit ihrer Stimme zum Ausdruck gebrachte Vertrauen. Ganz besonders freue ich mich auch über die Zuwahl von Judith Scherzinger und Martin Pfister in den Verwaltungsrat. Sie vertreten die junge Generation unserer Bank und werden bestimmt zukunftsweisende Ideen und Sichtweisen einbringen. Dann aber bedauere ich, dass wir die Generalversammlung nicht auf die traditionelle Art abhalten konnten. Sie geniesst bei unseren 9‘000 Mitgliedern nämlich einen hohen Stellenwert und ist für uns jedes Mal das wichtigste Ereignis im Jahr. Diese Nähe macht die Bank für die Mitglieder greif- und begreifbar."

Die Bank hat ihre Mitglieder mit dem Slogan „Stimmen Sie ab – es lohnt sich!“ zu einer aktiven Teilnahme an der Abstimmung aufgerufen. Hat es sich nun wie versprochen „gelohnt“?
"Die Antwort auf diese Frage muss sich letztlich jedes Mitglied selbst geben. Aus meiner Sicht fällt sie eindeutig aus: Ja, denn alle Mitglieder, die sich an der Abstimmung beteiligten, werden in der zweiten April-Hälfte zwei Gutscheine im Wert von je 25 Franken erhalten. Diese können sie im Marktgebiet unserer Bank bei teilnehmenden Restaurants und Fachgeschäften einlösen."

Ist das nun das Abschiedsgeschenk von Arthur Fagagnini oder das Antrittsgeschenk von Ihnen?
"Weder noch. Der Hintergrund für diese Mitglieder-Aktion ist folgender: Bekanntlich wollten wir im letzten Jahr die erste Generalversammlung nach der Fusion gemeinsam unter der Zirkuskuppel veranstalten. Notgedrungen mussten wir leider auf die schriftliche Variante ausweichen. Parallel hielten wir im Verwaltungsrat bis Ende September am Ziel fest, immerhin noch ein Bankfest im Circus Knie zu feiern. Schliesslich mussten wir auch diesen Plan begraben und entschieden uns zu einem Zeitpunkt, als die physische Durchführung der Generalversammlung erneut auf der Kippe stand, eine Mitglieder-Aktion zu schaffen."

Was will der Verwaltungsrat mit dieser Mitglieder-Aktion bezwecken?
"Zum einen wollen wir unseren Genossenschafterinnen und Genossenschaftern einen Ersatz für die beiden ausgefallenen Generalversammlungen bieten. Zum andern und dies ist für mich noch fast wichtiger, wollen wir mit dieser Aktion den Restaurants und Fachgeschäften unter die Arme greifen. Schliesslich sind sie von der Pandemie am stärksten betroffen und haben am meisten Unterstützung nötig. Wir schaffen damit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und setzen den genossenschaftlichen Grundwert der Solidarität in die Tat um. Ich denke, die Aktion kommt gerade zur richtigen Zeit, wenn hoffentlich auch die Restaurants wieder öffnen dürfen."

Das ist eine tolle Aktion. Kommen wir zurück zu Ihnen. Mit Judith Scherzinger und Martin Pfister ziehen zwei junge Mitglieder in den Verwaltungsrat ein. Was sind die Überlegungen dazu?
"Der Verwaltungsrat macht sich jedes Jahr Gedanken zur personellen Planung und damit auch zur Zusammensetzung des Aufsichtsgremiums. Für mich ist in solchen Fragen wichtig, dass eine fachlich und sozial optimale Zusammensetzung erreicht wird. Wir orientieren uns dabei an Anforderungsprofilen und sprechen gezielt potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten an. Wenn ich mir vor Augen führe, was Judith Scherzinger und Martin Pfister mitbringen, schätze ich mich glücklich, mit diesen Persönlichkeiten zusammenarbeiten zu dürfen. Sie ergänzen den
Verwaltungsrat in idealer Weise, sind eng mit der Region Gossau verbunden und bringen zusätzlich das 'jugendliche' Element mit. Die Bank hat mit diesem Vorgehen sehr gute Erfahrungen gemacht."

Wie vertraut sind eigentlich Sie mit dem Bankgeschäft?
"Ich hatte meinen Berufseinstieg in der Bank. Nach der Lehre zog es mich in die Westschweiz, ehe ich Betriebswirtschaft studierte. Nach einem 'Lehr- und Wanderjahr' in Nord- und Mittelamerika zog es mich in die Industrie. Bei Debrunner Acifer verbrachte ich in verschiedenen Funktionen 20 Jahre, neun davon in der Konzernleitung. Seit 2019 bin ich bei Meier Tobler AG in der Geschäftsleitung und dort für den Verkauf und das Marketing verantwortlich. Ich bin zwar in der Industrie gross geworden, doch die Affinität für das Bankgeschäft ist unverändert vorhanden."

Wie erleben Sie das Bankgeschäft nach sieben Jahren Verwaltungsratstätigkeit?
"Das Bankgeschäft befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Der technologische Wandel eröffnet völlig neue Möglichkeiten, wie Bedürfnisse in der Zukunft abgedeckt werden können. Es gibt viele branchenfremde Anbieter, die immer mehr in die Domäne der traditionellen Banken vorstossen und sie mit neuen Ansätzen herausfordern. Das Verhalten der Kunden verändert sich zudem laufend und hat durch die Pandemie gar eine neue Dynamik erhalten. Hinzu kommt, dass das historisch tiefe Zinsniveau noch eine ganze Weile anhalten dürfte, was die Branche vor zusätzliche Herausforderungen stellt."

Was kann eine lokal verankerte Bank mit stationärem Betrieb überhaupt dagegen tun?
"Das ist eine zentrale Frage, welche uns mit Sicherheit beschäftigen wird. Seit einiger Zeit sind viele verschiedene Trends zu beobachten. Es wird sich noch zeigen müssen, welche sich im Markt durchsetzen werden. Persönlich denke ich, dass sich ein hybrides Modell herausbilden wird. Meiner Einschätzung nach wird der stationäre Betrieb weiter an Bedeutung verlieren. Der persönliche Kontakt dagegen dürfte wichtig bleiben. Einfache Dienstleistungen werden sehr wahrscheinlich in digitale Kanäle abwandern, während für komplexe Fragen die persönliche Beratung weiterhin eine bedeutende Rolle spielen wird."

Wie wollen Sie dies bei Ihrer Raiffeisenbank umsetzen?
"Unsere Regionalität gepaart mit der Kraft von Raiffeisen Schweiz wird uns auch in Zukunft helfen. Wir werden uns noch mehr auf die Kundenbedürfnisse fokussieren, indem wir sehr nahe am Kunden bleiben, um so seine finanziellen Bedürfnisse noch besser zu verstehen und auf diese eingehen können. Daneben sind wir darauf angewiesen, was Raiffeisen Schweiz in Sachen Digitalisierung liefert. Als Eigner von Raiffeisen Schweiz werden wir verstärkt Einfluss darauf nehmen, dass die Weichen zukunftsgerichtet und auf unsere Bedürfnisse abgestimmt gestellt werden. Mit der Umsetzung der Gruppenstrategie 2025 ist einiges angestossen. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass wir im Markt weiterhin als innovative Genossenschaftsbank wahrgenommen werden."

Wohin soll sich die Bank unter Ihrer Führung entwickeln?
"Ich bin in der vorteilhaften Situation, dass ich von meinem Vorgänger Arthur Fagagnini eine gut aufgestellte Bank mit einem auf allen Ebenen gut eingespielten Team übernehmen kann. Ich will aber nicht Verwalter eines Zustandes sein, sondern das Geschäftsmodell mit meinen Kolleginnen und Kollegen und zusammen mit der Bankleitung für die Zukunft gestalten. Dafür fühle ich mich verantwortlich, schliesslich ist der Bankplatz in unserem Marktgebiet hart umkämpft. Wir dürfen und wollen uns keine Blösse geben und das vorhandene Potenzial mit klugen Entscheiden sowie gezieltem Vorgehen ausschöpfen.

Herr Forster, besten Dank für das Gespräch.

Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil