Kanton
17.02.2020
17.02.2020 12:13 Uhr

Defizite der Spitäler erhöhen Handlungsbedarf

St.Galler Spitäler weisen für 2019 insgesamt einen Verlust von 20,3 Millionen aus. Budget 2020 rechnet mit einem Verlust von 35,5 Mio.

Die vier St.Galler Spitalverbunde schliessen das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust von 20 Millionen Franken ab. Das ist eine weitere Verschlechterung von 16,25 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Erstmals mussten an der Jahresmedienkonferenz alle vier Spitalverbunde einen Verlust ausweisen.

Gesamthaft hat die Gruppe der St.Galler Spitäler 1,29 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaftet, was einer leichten Steigerung um 8,7 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Kosten sind gegenüber dem Vorjahr proportional stärker gewachsen (um 25 Mio. Franken). So verzeichnet die Spitalgruppe mit 20,3 Millionen Franken einen Verlust (Vorjahr: 4,0 Mio. Franken Verlust). Die Ergebnisse sind teils stärker gesunken als prognostiziert.

Über die ganze Spitalgruppe wurden 65'492 stationäre Patientinnen und Patienten behandelt. Der abrechenbare stationäre Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr um 2,6% gesunken (2018: 67'221). Dieser Rückgang veranschaulicht die Verlagerung in den ambulanten Bereich, der um 7,2% gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist.

Die Gründe für dieses negative Ergebnis können den nachstehenden Kommentaren zu den Einzelabschlüssen der vier Spitalverbunde entnommen werden.

MM Jahresabschlüsse 2019


Die Spitalverbunde rechnen für 2020 mit einem gesamthaften Verlust von 35,5 Mio. Franken über alle vier Spitalverbunde und einer nochmals tieferen EBITDA-Marge von 2,6%.

Aus den vier Spitalverbunden

Kantonsspital St.Gallen Das Kantonsspital St.Gallen (KSSG) mit den Standorten St.Gallen, Rorschach und Flawil schliesst das Geschäftsjahr 2019 bei einem Umsatz von 907,2 Millionen Franken (Vorjahr 893 Mio.) mit einem Verlust von 1,9 Millionen Franken ab. Im Vorjahr resultierte noch ein Gewinn von 2,5 Millionen Franken. Die ausserordentliche Leistungssteigerung von 1,6% gegenüber dem Vorjahr führte dazu, dass der budgetierte Verlust deutlich tiefer ausfiel als erwartet. So erhöhte sich die Anzahl ambulanter Besuche auf 526‘666 (2018: 511‘188) während die Frequenzen im stationären Bereich mit total 36‘746 Austritten leicht unter dem Vorjahreswert lagen (2018: 36‘972). Bemerkenswert ist, dass diese hohen Frequenzen wie schon im Vorjahr trotz intensiver Bautätigkeit auf dem Spitalareal möglich waren. Mit dem Grossbauprojekt liegt man zeitlich wie finanziell exakt auf Kurs. Erfreulich ist zudem, dass mit der Wahl von Prof. Dr. Jens Huober eine lückenlose Nachfolgeregelung der Chefarztposition im Brustzentrum per 1. Januar 2021 sichergestellt werden konnte.

Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland

Die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS) mit den Standorten Altstätten, Grabs und Walenstadt schliesst das Geschäftsjahr 2019 bei einem Jahresumsatz von 202 Millionen Franken (Vorjahr 203,7 Mio.) mit einem Verlust ab. Nach dem Minus von 0,67 Mio. Franken im Jahr 2018 lag der Verlust im vergangenen Jahr bei 4,2 Mio. Franken. Im Vergleich zu 2018 konnten mit 121'593 Patienten zwar mehr ambulante Besuche verzeichnet werden (2018: 114’435), die stationären Frequenzen gingen jedoch von 16’165 Patienten im Jahr 2018 auf 15’352 Patienten im Jahr 2019 zurück. Im vergangenen Jahr einmal mehr positiv hervorzuheben sind die erfolgreichen Kooperationen mit dem Kantonsspital St. Gallen, die in den Regionalspitälern dazu beitragen, auch bei Leistungsangeboten, die über die Grundversorgung hinausgehen, eine qualitativ hochstehende Versorgung sicherzustellen. Das Neubauprojekt in Grabs konnte 2019 weiter vorangetrieben werden und ist auf Kurs für die geplante Eröffnung im Mai 2020.

Spital Linth

Das Spital Linth in Uznach schliesst das Geschäftsjahr 2019 bei einem Umsatz von 70,6 Millionen Franken (Vorjahr 76,1 Mio.) mit einem Verlust von 8,5 Millionen Franken ab. Im Vorjahr resultierte noch ein Gewinn von 0,1 Millionen Franken. Insbesondere der Rückgang der stationären Frequenzen belastet die Jahresrechnung. Während die stationären Frequenzen mit 5'194 Austritten um knapp 700 Austritten gegenüber dem Vorjahr gesunken sind, erhöhte sich die Anzahl der ambulanten Besuche auf 71'664 (2018: 70'388). Weitere Gründe für den Rückgang im stationären Umsatz sind ein tieferer Anteil der zusatzversicherten Patienten, ein tieferes Fallgewicht sowie die Lärmbelastung durch die Bautätigkeiten. Das Grossbauprojekt liegt zeitlich und finanziell auf Kurs, der Neubau konnte im vergangenen Jahr bezogen werden. Erfreulich ist, dass die Geschäftsleitung mit dem neuen CEO, Dr. Peter Werder, sowie den beiden neuen Chefärzten (Anästhesie: Dr. med. Daniela Gresch / Chirurgie: Dr. med. Tobias Gehrig) optimal besetzt werden konnte. Zudem wird Dr. med. Stefanie Huggle die derzeit vakante Stelle als Chefärztin Gynäkologie & Geburtshilfe der Frauenklinik am 1. April 2020 antreten.

Spitalregion Fürstenland Toggenburg

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) mit den Standorten Wattwil und Wil schliesst das Geschäftsjahr 2019 bei einem Jahresumsatz von 106,5 Millionen Franken (Vorjahr 104,6 Mio.) mit einem Verlust von 5,72 Millionen Franken ab (Vorjahr: Minus 6,03 Mio.). Die Entwicklung der Patientenzahlen im 2019 war sehr erfreulich. Trotz Verlagerung der Operationen in den ambulanten Bereich, Konzentration der Operationen in Wil mit den einhergehenden Fallverlusten im Zuge des Sanierungsprojekts und den Unsicherheiten rund um die Strategie der St.Galler Spitäler konnten die abrechenbaren Austritte mit 8'190 sogar knapp erhöht werden (2018: 8'179). Leider entwickelten sich die Erträge aus dem stationären Bereich aufgrund des tiefen Case Mix Indexes (CMI; 2019: 0.7172) nicht entsprechend positiv. Im Vergleich zu 2018 konnten mit 50’682 auch nochmals mehr ambulante Besuche (2018: 49136) verzeichnet werden, was sich auch auf den Ertrag positiv auswirkte. Besonders hervorzuheben im Jahr 2019 ist die Konzentration der Operationen am Standort Wil anfangs November. Besonders erfreulich ist, dass auf den gleichen Zeitpunkt am Standort Wattwil die gemeinsam mit dem Toggenburger Ärzteverein geführte Integrierte Notfallpraxis in Betrieb genommen werden konnte.

 

(sg. ch)