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Stadt Gossau
06.07.2021

Vom Stammgast zum Kutschenfahrer

Christoph Zeller mit seinen beiden Freibergerstuten Olympia und Diana. Bild: Rita Bolt
Der Andwiler Christoph Zeller spannt seine zwei Pferde für Kutschenfahrten ein. Ausfahrten mit Ross und Wagen boomen.

Rita Bolt

Die beiden Freibergerstuten Olympia und Diana haben im Weiler Juggen in Andwil eine grosse Wiese für sich allein. „Diana ist das dritte Fohlen von Olympia“, sagt Christoph Zeller. Während der Woche haben die Vierbeiner ein entspanntes Leben – am Wochenende werden sie meistens eingespannt. Für Kutschenfahrten, welche das Restaurant Rose in Waldkirch organisiert. Das sind Fondue-Kutschenfahrten - auch im Sommer -, oder Diner-Fahrten, die Kutsche wird gerne für Polterabende gebucht und derzeit sind Over-Night-Fahrten sehr gefragt. Das sind einstündige Kutschenfahrten in den Abend hinein mit einem Stopp, an dem die Gäste von der „Rosen“-Wirtin Sandra Städler überrascht werden. Die Gäste bestimmen anschliessend, wo sie ihr Nachlager aufschlagen werden: Zelten im Wald, auf der Wiese direkt beim Restaurant Rose oder ob sie im Stroh in der hauseigenen Scheune schlafen wollen. So oder so: Am Abend gibt es ein Nachtessen, am Morgen Frühstück. „Kutschenfahrten boomen“, sagt der Pferdeliebhaber. Und ihn freut‘s: Für ihn gibt es nichts schöneres, als auf dem Bock zu sitzen und seine Pferde zu kutschieren. Er hat einen grossen Traum: „Ein Vierspänner, das wäre es“, sagt er mit leuchtenden Augen. „Das wäre viel Power.“ Vielleicht irgendwann.

Die Freizeit haben sie zusammen genossen

Christoph Zeller ist auf dem Juggen in Andwil aufgewachsen. Dort befindet sich ein landwirtschaftliches Anwesen mit einer Kunden-Metzgerei, die sein Bruder Michael mit seiner Frau betreibt. „Mein Vater war Stör-Metzger“, erzählt der 48-Jährige. Sein Vater habe noch Schweine gehalten. Heute hausen im Schweinestell Hühner, Kaninchen und Christoph Zellers Pferde. „Ich habe immer gerne auf dem Hof mitgeholfen. Mein Vater hat schon immer Pferde gehalten“, erzählt er. Heute unterstützt er seinen Bruder jeweils am Samstag noch in der Metzgerei, wenn Kleintiere geschlachtet würden und wenn es seine Zeit erlaube. Er hätte die Metzgerei seines Vaters nicht übernehmen können, denn er ist körperlich leicht beeinträchtigt und kann nicht allzu lange stehen. Sein Bruder Michael und seine Familie haben den elterlichen Betrieb übernommen, Christoph Zeller wohnt im Dorf und arbeitet seit 2006 hauptberuflich als Disponent in einem Lebensmittelunternehmen in der Region. Bevor er zur Arbeit geht, führt sein Weg aber zu den Pferden auf dem Juggen: Er füttert sie und lässt sie auf die Weide. Er steht bei seinem Pferden und belohnt sie mit einen Apfel, tätschelt sie am Hals und streicht ihnen sanft über den Kopf. Über ihnen kreisen einige Milane und Mäusebussarde, die durch die Metzgerei angelockt wurden.

Der Andwiler hat keine leichte Zeit hinter sich. 2017 hat er seine Frau verloren. Auch sie habe Pferde geliebt. Er sei jeweils gefahren, sie geritten. „So haben wir unsere Freizeit zusammen genossen“, erzählt er. Die Pferde haben ihm geholfen, die Trauer besser zu verarbeiten. 2019 ist er öfters Mal im Restaurant Rose in Waldkirch eingekehrt. Dort ist er mit der Wirtin Sandra Städler ins Gespräch gekommen und sie haben sich gut verstanden. Zusammen haben sie sich Events mit der Kutsche ausgedacht – mit Erfolg. Damals habe er noch keine richtige Kutsche mit Dach, Tisch und Bänken gehabt. Weil das Geschäft aber so gut angelaufen war, musste sofort ein Gefährt her – gedacht, gekauft. Das „Winterwonderland“ mit Kutschenfahrten in den dekorierten Wald war ausführbereit und stand kurz bevor. Über 1000 Fackeln wurden im Wald verteilt und sollten der Kutsche den Weg leuchten. Dann kam der Lockdown.

Drei Pferde eingespannt: „Wow“

Christoph Zeller schmunzelt, wenn er zurückdenkt. Die Kutsche war gekauft, die Kutschenfahrten wegen Corona nicht mehr möglich. Was nun? Zusammen mit der „Rosen“-Wirtin besuchten sie auf der Kutsche ihre Stammgäste. „Das waren tolle Ausfahrten“, sagt Zeller. Schliesslich kreierten die Beiden die Idee, eine fahrbare Beiz im Andwilermoos anzubieten. „Das Echo war überwältigend“, sagt Sandra Städler freudig. Die „fahrbare Beiz“ sei in vielen Medien publiziert worden und habe ihnen viel Aufträge für Kutschenfahrten nach Corona eingebracht und ihnen gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Noch nicht lange her, konnte Zeller als Versuch drei Pferde einspannen, weil er von einem Kollegen eines „ausgeliehen“ bekam. „Es war einfach der Hammer“, sagt er. Er träume weiter von einem Vierspänner und vielen Ausfahrten mit seinen Pferden Olympia und Diana.

Bild: Rita Bolt
Rita Bolt