Bildung
24.04.2020
26.04.2020 06:45 Uhr

Friedberg: schnell reagiert, gut unterwegs

Lehrer Claudio Fritsche im virtuellen Schulraum mit seiner Klasse bei einer Englisch-Lektion.
Fast vier Wochen "Distance Learning" sind bereits wieder Geschichte für das Gymnasium Friedberg. Wir baten um eine Stellungnahme zu den gemachten Erfahrungen und zur Ausgangslage für die Maturanden.

Rektor Dr. Lukas Krejci und Lehrer Claudio Fritsche gaben uns Auskunft. Hier die Zusammenfassung der Antworten. 

Dr. Lukas Krejci, Rektor Gymnasium Friedberg, Gossau.
Claudio Fritsche, Lehrer für Wirtschaft und Recht, Englisch, Informatik und Italienisch.

Es wird auch in diesem "Corona-Jahr" Maturi und Maturae am Gymnasium Friedberg geben. Wie ist der aktuelle Stand der Planung?

Lukas Krejci: "Wir planen, wie wenn die Maturaprüfungen am 18. Mai 2020 starten würden. Diesbezüglich stehen wir mit dem AMS (Amt für Mittelschulen), der Kantonalen Rektorenkonferenz und dem Gesundheitsdepartement in Verbindung. Der Friedberg wird ohne Absprache mit den relevanten Behörden keinen Alleingang vornehmen. Unsere Entscheidungen stützen wir auf die Erlasse der EDK (Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren) und kantonale Beschlüsse. Aus diesem Grunde gibt es auch einen Plan B und einen Plan C bzw. verschiedene Verschiebungsszenarien. Der Friedberg hat immer sehr flexibel auf alle Weisungen reagiert."

Welche Erfahrungen haben Sie in den letzten Wochen mit dem Distance-Learning gemacht?

Lukas Krejci: "Das Friedbergteam hat die Schulschliessungen schon sehr früh antizipiert und im Hintergrund die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Der Lehrkörper hat sich, als die ersten Corona-Fälle in der Schweiz vermeldet wurden, mit verschiedenen 'Distance-Learning-Tools' auseinandergesetzt und auch Probeläufe mit einigen Klassen durchgeführt. Deshalb konnten wir das Klassenzimmer sehr rasch, das heisst bereits am ersten Montag nach Bekanntgabe der Schulschliessung, vom analogen in den virtuellen Raum verlagern. Der Unterrichtsbetrieb konnte ohne Verzögerungen online weitergeführt und aufrechterhalten werden. Wochenpläne, die ab Tag 1 im Einsatz waren, sorgten für Planungssicherheit vor allem für die Schüler/-innen und deren Eltern."

Claudio Fritsche: "Nach gut drei Wochen 'Distance Teaching' fällt das Fazit unisono sehr positiv aus. Den Lehrern/-innen ist es gelungen, mit Hilfe von verschiedenen Programmen, Tools, Apps und kreativen Aufträgen einen möglichst abwechslungsreichen Unterricht zu gewährleisten und auch in diesem ungewohnten Setting Stoff zu vermitteln. Unsere Schüler/-innen haben ein hohes Mass an Selbstverantwortung, Disziplin und Konzentration an den Tag gelegt und so zu einem störungsfreien und reibungslosen Unterricht beigetragen. Ihnen muss ein grosses Kompliment gemacht werden."

Der Fernunterricht wird den Präsenzunterricht aber nicht ablösen, oder?

Lukas Krejci: "Selbstverständlich weist 'Distance Teaching' im Vergleich zum Präsenzunterricht auch Limitationen auf. Die Steuerung und Moderation von Diskussionen beispielsweise erweisen sich als schwierig. Soziale Interaktionen werden eingeschränkt, und auch Humor ist über Online-Konferenzen schwerer transportierbar."

Wie funktioniert Distance-Learning? Werden gewisse neu verwendete Tools/Methoden in Zukunft auch im "normalen" Unterricht eingesetzt?

Claudio Fritsche: "Die Lehrpersonen mussten buchstäblich von heute auf morgen ihren gesamten Unterricht umstellen und rasch neue Methoden und digitale Werkzeuge finden und in ihre Lektionen einfliessen lassen. Dass auch im Präsenzunterricht auf diesen neu erarbeiteten 'digitalen Werkzeugkasten' zurückgegriffen werden wird, ist durchaus denkbar."

Wie sieht es mit den Aufnahmeverfahren für neue Schülerinnen und Schüler aus?

Lukas Krejci: "In Absprache mit dem Amt für Mittelschulen, dem Gymnasium Untere Waid und der Kantonsschule am Burggraben haben wir am Friedberg die Aufnahmeentscheide in einem ausserordentlichen Verfahren aufgrund der relevanten Zeugnisnoten und der Lehrerempfehlungen getroffen."

Herr Dr. Krejci und Herr Fritsche, besten Dank für das Gespräch.

 

Jürg Grau