Bildung
27.04.2020

Gleichstellung an Schweizer Hochschulen

An Schweizer Hochschulen gibt es viel mehr Professoren als Professorinnen. Eine HSG-Professorin erklärt, warum das so ist.

Im Jahr 1999 gab es nur 9 Prozent Professorinnen an den Schweizer Universitäten. Das Bundesprogramm Chancengleichheit fördert seit rund 20 Jahren die Geschlechtergleichstellung an Schweizer Hochschulen und trägt bereits erste Früchte: Heute liegt der Anteil Professorinnen bei 23.2 Prozent. «Das ist schon eine enorme Veränderung und gleichzeitig sieht man auch, dass wir in einem Prozess sind und noch nicht am Ziel sind», sagt Prof. Dr. Julia Nentwich vom Lehrstuhl für Organisationspsychologie der Universität St.Gallen. Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie diesen Prozess.

Verankerte Rollenbilder
Ein zentrales Problem für die Gleichstellung an den Schweizer Universitäten sei das - nach wie vor - stark verankerte Bild des idealen Wissenschaftlers, der sich voll und ganz der Wissenschaft verschrieben und kaum Platz für ein Privatleben wie Familie hat. Auch was die Beurteilung der Professionalität von Männern und Frauen anbelangt, gibt es immer noch viele Vorurteile. Die Forschung würde zeigen, dass Männer als professioneller und als höherwertig wahrgenommen werden. Diese impliziten Vorurteile wirken auch im im Anstellungsprozess von Professoren und Professorinnen. Das Bundesprogramm Chancengleichheit hat deshalb bewusst bei den für die Anstellung zuständigen Berufungskommissionen angesetzt. Doch das sei zu Beginn bei den Schweizer Universitäten nicht akzeptiert worden.

Karriere und Familienplanung
Die Arbeit der HSG-Professorin und ihrem Team zeigt auf, dass sich der Begriff der Chancengleichheit wandeln musste, um an den Universitäten akzeptiert zu werden. Dieser müsste laut Nentwich an den Hochschulen ausgeweitet werden. Dies würde bedeutet, dass wissenschaftliche Karrieren mit unterschiedlichen Lebensentwürfen wie der Familienplanung vereinbar zu machen. 

Mehr zum Thema gibt es im Video: 

Miryam Koc