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Wirtschaft
02.10.2021

Aktienmärkte: Ausverkaufsstimmung

Christopher Chandiramani: «Seit den Höchstkursen vom Sommer hat der SMI-Index rund 8 Prozent eingebüsst.» Bild: zVg.
Immobilienprobleme in China, Teuerungs- und Zinsängste, Rohstoff- und Energieverknappung, Budgetstreitigkeiten in den USA, sowie Wahlen in Deutschland verunsicherten die Börsen.

Der Zusammenbruch des Immobiliengiganten Evergrande verursachte weltweit Schockwellen. Eine Schadensumme von rund 300-400 Mrd. USD wird herumgeboten. Zwar ist dieses Drama geringer als die Finanzkrise 2008, aber dieses Finanzbeben könnte trotzdem die Weltwirtschaft beeinträchtigen. Rohstoffe und Energie sind knapp, China hat momentan zu wenig Elektrizität, Grossbritannien leidet an Treibstoff- und Gasmangel sowie zu wenig Transportkapazitäten. Dies führt insgesamt auch zu Inflations- und Zinsängsten. Obwohl die Notenbanken beruhigen, ziehen derzeit die langfristigen Zinssätze an. Das stellt auch die Konjunkturprognosen in Frage.

In den USA hält der Budgetstreit an bei einem astronomisch hohen Staatsdefizit. Ein drohender Shutdown konnte zwar im letzten Moment abgewendet werden, die Schuldobergrenze wurde gelockert. Präsident Bidens grosse Infrastruktur- und Sozialpakete könnten jedoch scheitern.

Deutschland hat gewählt. Die SPD hat gewonnen. Koalitionsverhandlungen sind kompliziert. Die Zeit nach Kanzlerin Angela Merkel bleibt ungewiss.

Unternehmensmeldungen

Die Berichtswoche begann mit einer Flucht aus den Aktien. Erst am Mittwoch erfolgte eine Gegenbewegung. Später kehrte der Pessimismus zurück. Verschiedene Papiere mit bisher guter Kursentwicklung korrigierten heftig, Logitech und Partners Group mit je minus 11 Prozent, Industriewerte wie beispielsweise Sika, Lonza und Belimo verloren 6-8 Prozent, Ems-Chemie minus 6 Prozent. Besser halten konnten sich die SMI-Schwergewichte sowie Finanzwerte.

Die Versicherung Baloise will das hohe Dividendenniveau halten und 60-80 Prozent des Gewinns ausschütten.

Mobilfunkanbieter Salt verschiebt den Börsengang. Analysten vermuten, dass die Gesellschaft mehr Zeit braucht, bis sich die Börse wieder erholt, auch wegen Verspätungen beim Bau von 5G-Antennen.

Die Milliardenklage gegen die UBS in Frankreich wegen Geldwäsche und Steuerdelikten hätte diese Woche stattfinden sollen, wurde aber auf den 13. Dezember verschoben. 

Der Finanzdienstleister Leonteq eröffnet ein neues Büro in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Diese Expansion ist Teil einer 2020 gestarteten Wachstumstrategie. Zudem spezialisiert sich diese Finanzboutique auf Krypotowährungen.

Sonova will künftig nebst den Produkten wie Hörgeräte vermehrt auch Audiological-Care Dienstleistungen anbieten. Dabei geht es um Therapien gegen Tinnitus.

Die von Sulzer abgespaltene Medmix startete verhalten, erste Handelskurse waren unter dem Emissionspreis von CHF 45.

Aussichten

Zurzeit wird der Pessimismus überbewertet. Dies ist zwar typisch für den Herbst. Die Monate September und Oktober gehören auch zu den schlechtesten des Jahres. Für ein Jahresendrally braucht es neue positive Impulse. Das könnten die Neunmonatszahlen der Unternehmungen sein, diese folgen in Kürze. Eigentlich hat sich die Wirtschaft nach den Lockdowns der Corona-Pandemie gut erholt. Die Wachstumszahlen, gemessen an den Frühindikatoren (Einkaufsmanager-Index), sind immer noch überdurchschnittlich. Aus analytischer Sicht gibt es bereits heute wieder Kaufgelegenheiten auf tiefem Niveau und in Qualitätsaktien. Schwer einzuschätzen sind jedoch die politischen Einflüsse.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24