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Wirtschaft
16.10.2021
16.10.2021 21:59 Uhr

Auf und Ab an den Aktienmärkten

Bild: zVg.
Versorgungsengpässe bei Rohstoffen, Halbfabrikaten und Energie belasteten anfänglich, gute Arbeitsmarktdaten aus den USA und positive Überraschungen bei den Neunmonatszahlen sorgten anschliessend für Aufhellungen.

Produkte des Alltags werden knapp, weil pandemiebedingt die Nachfrage Nachholbedarf hat. Auch Handelsschiffe sind teilweise blockiert und Transporte behindert. Das gilt nicht nur für Energie und Rohstoffe, sondern auch für Gas, Holz, Baustoffe, Kleider und Halbleiter. Der Detailhandel empfiehlt uns, die Geschenke für Weihnachten bereits jetzt zu bestellen. Auch Papier wird knapp, Tageszeitungen sind aus Spargründen dünner geworden.

Die Evergrande-Krise reisst einen ganzen Sektor nach mit sich unten. Ein weiterer chinesischer Immobilien-Gigant namens „Fantasia“ lässt Zahlungsschwierigkeiten vermuten. Man hofft jedoch auf Staatshilfe aus Peking.

Nach einem schwierigen Corona-Jahr 2020 wittert die Schweizer Uhrenindustrie wieder Morgenluft. Die Luxusgüterindustrie erwartet steigende Verkaufszahlen. Ende Jahr sollen die Umsätze das Niveau von 2019 wieder erreichen, entsprechend der Vorpandemiezeit.

Wie Währungen veränderten sich wenig, Rohöl verteuerte sich wie alle Energieformen. Letztmals war Öl im Jahre 2014 so teuer.

Unternehmensnachrichten

Mit Schwung begann die Berichtssaison für Neunmonatsergebnisse. Einige Nebenwerte erholten besser als die Indexschwergewichte der Finanz- und Pharmabranche sowie Nestlé. Die Aktien der Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont profitierten von besseren Aussichten.

Givaudan bleibt auch im dritten Quartal auf Wachstumskurs. Getrieben wurde die Erholung vor allem von der Nachfrage nach teuren Parfüms. Der Umsatz wuchs in den ersten neun Monaten 2021 um 5.8 Prozent auf 5.1 Mrd. CHF.

Der Pharmakonzern Roche treibt die Digitalisierung weiter voran, hat mit dem US-Unternehmen PathAI einen Vertrag unterzeichnet. PathAI ist ein Experte für Technologien der künstlichen Intelligenz (KI), welche in der Pathologie eingesetzt werden kann.

Eisenbahnbauer Stadler Rail legt Rekurs ein. Das österreichische Bundesgericht hat Stadlers digitale Signatur nach einer Einsprache des Konkurrenten Alstom als ungültig bezeichnet. Deshalb war eine Lieferung von 186 Doppelstockzügen an die ÖBB für über 3 Mrd. Euro vorerst nicht zustande gekommen.

Der Umsatz der Zuger Industriegruppe Bossard erhöhte sich im Vergleich zum dritten Quartal 2020 um 24.4 Prozent auf 250 Mio. CHF.

Die Aktien des Berner Energiekonzerns BKW stiegen aufgrund steigender Preise für Elektrizität auf ein 15-Jahreshöchst.

Veränderungen bei den Airlines – die staatliche Alitalia fliegt nun unter dem neuen Namen ITA, Lufthansa zahlt nach einer Kapitalerhöhung die staatlichen Corona-Unterstützungsbeiträge in Milliardenhöhe teilweise zurück.

Aussichten

Überraschend gute Neunmonatszahlen haben die Investoren wieder aus dem Versteck geholt. Alte Sorgen bleiben, speziell die Immobilienkrise in China und die hohe Verschuldung der USA und anderer Staaten. In Italien gibt es zurzeit die schärfsten Covid-Vorschriften Europas. Ohne Zertifikat gibt es keine Arbeit und keinen Lohn. Dies bedeutet Streikpotential, welchen dem hochverschuldeten Land weiter schaden könnte. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die überraschend guten Neunmonatszahlen die Investoren wieder interessieren, solange die Teuerungs- und Zinsängste nicht wieder aufflackern.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24